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Schulbusse - Geschichten aus 1000+1 Nacht

 
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Friedrich Hunold
Site Admin


Anmeldungsdatum: 29.01.2006
Beiträge: 598
Wohnort: 50679 Köln

BeitragVerfasst am: 10.08.2009, 14:38    Titel: Schulbusse - Geschichten aus 1000+1 Nacht Antworten mit Zitat

Umdenken ist gefordert – der ländliche Raum wird
zunehmend „abgehängt“
Problemkreis Schulbusse und öffentlicher Nahverkehr


Meine Tochter besucht das Gymnasium (Klasse 13) in der
Kleinstadt Herborn, am Fusse des Westerwaldes. Wir
wohnen in einer kleinen Landgemeinde, 11km entfernt,
durch eine schlechte Straße durch zig Kurven und steile
300Höhenmeter Unterschied verbunden. Als mir meine
Tochter von den teilweise unzumutbaren Zuständen
berichtete, den völlig überfüllten Bussen, den
umständlichen Rückrouten von Herborn nach Hause, die
sich nachmittags regelrecht zu einer
Lahn-Dill-Rundfahrt ausweiten und den fehlenden
Verbindungen nach Schulschluss ist mir erneut klar
geworden, wie wichtig eine Umstrukturierung des
öffentlichen Personennahverkehrs ist.
Das betrifft die Schüler genauso wie andere
Personengruppen.

In anderen Ländern und Regionen hat man solche Probleme
flexibel gelöst.
Selbst in sehr armen Ländern mit abgelegenen Dörfern
funktioniert das “Dolmus-Prinzip” ganz hervorragend,
das sicher viele aus dem Türkeiurlaub kennen.
Sogenannte “Sammelbusse” -meist Kleinbusse- stündlich
die Dörfer bis zur den nahegelegenen Städten ab.
Preiswert und unkompliziert können so die Menschen aus
den Dörfern in die Zentren kommen.

Dieses Thema beschäftigt mich schon seit langem.
Als Abgeordneter im Kreistag hatte ich bereits eine
Anfrage gestellt, ob beim Verkehrsverbund Lahn-Dill
(VLD) Überlegungen angestrengt werden, vom Konzept der
Großbussen mit starren Fahrplänen abzukommen. Der
Landrat teilte mir mit, dass solches beim VLD derzeit
nicht in Planung ist. Man müsse ja dann einen
zusätzlichen Fuhrpark mit Kleinbussen aufbauen, das sei
nicht rentabel.

Offensichtlich fehlt da einiges an Kreativität und am
Wollen. Lieber hält man alleine an den Großbussen fest,
die entweder überfüllt oder leer sind. Wir haben
darüberhinaus ein Personenbeförderungsgesetz, das
offensichtlich derartige einfache Vorhaben extrem
verkomplizieren. Bei meinem Versuch, die Presse für
solch ein Thema zu interessieren, winkte der
Berichterstatter der heimischen Zeitung WNZ (Wetzlarer
Neue Zeitung) Herr Kösters ab.

Was in der Türkei und Nordafrika seit zigJahren bestens
funktionert, scheitert noch im Jahr 2009 bei uns. Die
Bahn hat in den 80ger vielerorts den Personennahverkehr
eingestellt und die Bahngleise demontiert. Mangelnde
Flexibilität hat sich schon damals nicht rentiert.
Aber es geht ja nicht nur darum, dass sich alles
unbedingt alleine um Rentabilität, es geht auch darum,
dass das Leben in den Landgemeinden lebenswert bleibt
und es geht um die Menschen die hier bei uns wohnen.
Aus welchen Gründen sie auch immer auf den öffentlichen
Nahverkehr eingewiesen sein werden. Und es geht um die
Zukunftsfähigkeit der Gemeinden und es geht um den
Erhalt der Infrastruktur. Und nicht zuletzt geht es
darum. der Landflucht und der Verstädterung
entgegenzuwirken.

Die Schülerbeförderung, die Beförderung der
Jugendlichen abends zur Disco oder zu Veranstaltungen
in der Stadt, aber auch die Beförderung der älteren
Menschen oder der, die sich kein Auto leisten können im
ländlichen Raum ist sehr sehr schlecht gelöst. Taxi
Mama/Taxi Opa und früher Führerschein mit eigenem
Fahrzeug ist nicht nur für die Schüler die einzige
Möglichkeit, dem Mißstand aus dem Weg zu gehen. Den
anderen Menschen ohne Auto und ohne Verwandschaft vor
Ort, bleibt nur der Umzug in die Stadt.

Einerseits will man zwar der Landflucht entgegenwirken
und es werden großartige Reden darüber geschwungen.
Alles Lippenbekenntnisse. In der Praxis andererseits,
sieht es jedoch beinahe entgegengesetzt aus: Schlechter
werdende Mobilität durch mangelnde oder nicht an den
Bedarf angepasste Beförderungsangebote, immer
schlechter werdende Straßen und gleichzeitig steigende
Benzinpreise – all das widerspricht den gerne benutzten
Slogans „Mobilität für jeden“.
Auch unter wirtschaftlichen und Umwelt-Gesichtspunkten
sollte der Problemkreis öffentlicher Personennahverkehr
wieder in den Blickpunkt gelangen:

Um wirklich Mobilität zu haben, benötigt man hier und
anderswo in den Landgemeinden
-ein Auto für den Weg zur Arbeit,
-ein weiteres für den Partner, der vielleicht halbtags
arbeitet und zum Einkaufen weder Bus noch Bahn nutzen
kann (denn die Bahn hat ja die Gleise schon lange
demontiert)
-und natürlich noch Roller oder Mopeds für die
Schulkinder, die wegen der geographischen Bedingungen
und den Entfernungen nicht aufs Fahrrad zurückgreifen
können.
Ein Großteil der Arbeitseinkommen geht für den
Treibstoff und die Erhaltung des Familienfuhrparks
drauf.

Wenn Fatima in Fethiye in der Türkei von ihrem Haus
ganz einfach zum nächsten Haltepunkt geht, wartet sie
vielleicht mal 30Minunten. Dann kommt der Dolmus und
nimmt sie mit in die Stadt.

Für Greifenstein im Lahn-Dillkreis sind das Geschichten
aus „Tausend und einer Nacht“.

Ich fordere die verantwortlichen Politiker auf, sich
den Bedürfnissen Ihrer Wähler zu widmen, auch wenn das
manchmal unangenehm sein sollte und Geld kostet, ich
fordere den VLD in Kooperation mit dem RMV auf, eine
bessere und flexiblere Dienstleistung für ihre Kunden
durchzuführen, -das können ihre Kunden über die
Verwendung ihrer Steuergelder und Entrichtung der
Fahrpreise ganz einfach erwarten -

Und ich fordere die Eltern dazu auf, sich mehr für die
Belange ihrer Kinder einzusetzen, hinzusehen und
hinzuhören und an den Veranstaltungen für Eltern
teilzunehmen, anstelle stillschweigend nur Taxidienst
zu verrichten, um den Misständen aus dem Weg zu gehen.

Und schliesslich fordere ich von allen Verantwortlichen
in dem Zusammenspiel über politische
Richtungsdifferenzen hinaus, den Personennahverkehr
strukturell zu ändern und auf zukünftige Entwicklungen
hin anzupassen - die Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung
liegen schliesslich vor.



Bericht von Udo Sattler auf der Seite: http://www.wer-kennt-wen.de
_________________
Gruß

Friedrich Hunold

http://www.friedrich-hunold.de
http://www.demokratischer-verein.de
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